Da wo Mut wächst
Wenn morgens das Zirkuszelt des Kinder und Jugendzirkus Dobbelino geöffnet wird, ist es zunächst erstaunlich still. Ein paar Kinder kommen mit Taschen über die Wiese, irgendwo klappert eine Kiste mit Requisiten, aus einem der Wagen steigt Kaffeeduft. Noch wirkt alles ruhig und gleichzeitig ist spürbar, dass hier in den nächsten Stunden ganz viel Magie in der Luft liegen wird.
Hinter dem Kinder- und Jugendzirkus Dobbelino stehen Mirjam und Roman von Dobbeler. Seit mehr als zwanzig Jahren verbinden sie künstlerische Zirkusarbeit mit pädagogischen Konzepten für Kinder und Jugendliche. Ihr Zuhause ist Braunschweig und gleichzeitig sind sie mit ihren Projekten bundesweit unterwegs vor allem mit Zirkuswochen an Schulen und mit Angeboten auf ihrem eigenen Zirkusplatz. Unterstützt werden sie von professionellen Künstler:innen sowie ausgebildeten Zirkuspädagog:innen.
Allen ist eines gemeinsam: Die Kinder sollen Teil einer echten Zirkusproduktion werden, in der jedes von ihnen seinen Platz findet.

Wie aus Kunst und Pädagogik Dobbelino entstand
Die Idee entstand aus einer gemeinsamen Leidenschaft. Roman fand über das Jonglieren zum Zirkus, trainierte intensiv und trat als Jongleur auf. Parallel dazu studierte er Sozialpädagogik und schrieb seine Diplomarbeit über Zirkuspädagogik. Mirjam brachte ihre Kunst als Clownin und Wissen als Zirkuspädagogin ein. Aus dieser Verbindung von künstlerischer Praxis und pädagogischer Erfahrung entwickelte sich Schritt für Schritt der Kinder- und Jugendzirkus Dobbelino.
Von Anfang an ging es ihnen darum, Zirkus als Raum zu verstehen, in dem Kinder sich ausprobieren und wachsen dürfen. In einer Zirkuswoche entsteht nicht nur eine Aufführung, sondern ein Prozess. Die Kinder übernehmen Verantwortung, verlassen ihre Komfortzone und erleben, dass sie gemeinsam etwas auf die Beine stellen können.
Viele entdecken dabei Fähigkeiten, die sie zuvor nicht kannten. Manche kommen zurückhaltend an und stehen am Ende selbstbewusst in der Manege. Andere lernen, sich auf andere zu verlassen oder selbst Verantwortung zu übernehmen. Gemeinschaft, Vertrauen und persönliches Wachstum sind bei Dobbelino gelebter Alltag. „Zirkus funktioniert nur im Miteinander.“


Schritt für Schritt in die Manege
Ein typischer Tag beginnt mit dem gemeinsamen Ankommen im Zelt. Nach einer Begrüßung und einem spielerischen Warm-up lernen die Kinder verschiedene Zirkusdisziplinen kennen. Jonglagebälle fliegen durch die Luft, schwingende Tücher tanzen in den Händen, und irgendwo löst eine missglückte Übung gemeinsames Lachen aus. Die Kinder finden nach und nach ihre Gruppen, je nachdem, welche Disziplin ihnen liegt. Es wird geübt, ausprobiert, gelacht und manchmal auch gezweifelt.
Im Laufe der Woche entwickeln sich aus ersten Ideen kleine Nummern. Übergänge werden abgestimmt, Musik ausgewählt, Abläufe verfeinert. Schritt für Schritt wächst aus vielen Einzelteilen eine gemeinsame Aufführung.
Die Vorstellung in der Manege ist am Ende der sichtbare Höhepunkt. Doch die prägendsten Momente passieren davor: im Üben, im Stolpern, im gegenseitigen Helfen, im Überwinden. Kurz vor dem Auftritt liegt eine besondere Spannung in der Luft: ein Flüstern hinter dem Vorhang, klopfende Herzen und zappelige Finger bevor es hinausgeht. Und wenn die Kinder nach ihrem Auftritt von der Fläche gehen, liegt das Wichtige nicht im Beifall, sondern in ihrem stolzen Blick, der sagt: Das war ich.

Bauwagen als Rückgrat des Zirkusalltags
Damit vorne alles leicht und spielerisch wirken kann, braucht es im Hintergrund solide Strukturen. Erfahrene Trainer*innen, sichere technische Ausstattung, durchdachte Abläufe und ein eingespieltes Team halten den Zirkusbetrieb am Laufen. In diese Strukturen passen die Bauwagen perfekt: Sie geben dem Zirkusbetrieb Ordnung und Sicherheit ganz im Hintergrund, damit vorne die Kreativität blühen kann.
Ein großer Wagen dient als Büro und wird bei Bedarf zum Speisewagen. Bis zu 15 Kinder können dort gemeinsam essen, sich austauschen und zur Ruhe kommen. Ein anderer Wagen fungiert als Schlaf- und Ruhewagen. Dort können bis zu vier Personen übernachten, etwa auswärtige Artist*innen, die Dobbelino begleiten. Gleichzeitig bietet er Raum für Stillarbeit oder eine kurze Verschnaufpause abseits des Trubels. Ein Platz zum Ankommen, nennt es Roman. So wird derselbe Wagen mal Unterkunft, mal Schutzraum, mal leiser Gegenpol zur Manege.
Der Verkaufswagen mit Popcorn, Kühlschränken und Kochmöglichkeit sorgt für Versorgung und Organisation, während der Toilettenwagen die notwendige sanitäre Infrastruktur bereitstellt. All diese mobilen Räume schaffen Stabilität, selbst wenn der Zirkusplatz nur für eine Woche entsteht.
Wie wichtig diese Strukturen sein können, zeigte sich auch zu Beginn des Ukraine-Krieges. Kurz nach Kriegsbeginn nahm das Team 19 Personen aus dem Umfeld der Artistenschule in Kiew auf. Für mehrere Wochen wurden die Zirkuswagen zu Wohnraum und geschütztem Ort, bis gemeinsam Wohnungen organisiert werden konnten. In dieser Zeit wurde deutlich, dass Zirkus mehr ist als Aufführung – er kann auch Gemeinschaft und Halt bieten.

Wenn jeder Ort zur Manege wird
Die Möglichkeit, mit mobilen Strukturen zu arbeiten, ist für Dobbelino essenziell. Zirkus entsteht dort, wo Kinder sind. Auf Schulhöfen, Wiesen oder öffentlichen Plätzen. Innerhalb weniger Tage wächst aus einem vertrauten Ort eine Manege. Wagen rollen an, das Zelt spannt sich in den Himmel, Requisiten finden ihren Platz und plötzlich verändert sich die Atmosphäre. Was gestern noch ein Schulhof war, wird zu einem Raum voller Bewegung, Mut und Fantasie.
Für viele Kinder fühlt sich diese Verwandlung beinahe wie ein kleines Wunder an. Der Alltag tritt einen Schritt zurück, und für eine Woche entsteht eine eigene Welt mit eigenen Regeln, eigener Dynamik und einem gemeinsamen Ziel.
Wenn am Ende einer Woche das Zelt wieder abgebaut wird, bleibt mehr zurück als eine Erinnerung an eine gelungene Vorstellung. Es bleibt das Erlebnis, Teil von etwas Größerem gewesen zu sein. Für viele Kinder ist es genau dieser Moment, der nachwirkt – lange nachdem die Manege wieder verschwunden ist.
Ein Zuhause in der Zukunft
In den vergangenen Jahren ist das Projekt stetig gewachsen. Neben der kontinuierlichen Arbeit mit Kindern sind eigene künstlerische Produktionen entstanden, Projekte mit Nachwuchsartist*innen und Formate wie die Wintermanege.
Ein wichtiger Meilenstein ist ab 2026 der neue Zirkusplatz auf dem Harz-&-Heide-Gelände mitten in Braunschweig. Dort entsteht ein dauerhaftes Zuhause: ein Ort für Training, Begegnung, Residenzen und künstlerische Produktionen.
Darüber hinaus gibt es einen großen Wunsch für die Zukunft. Der Platz soll Schritt für Schritt wachsen und sich weiterentwickeln. Zusätzliche Schlafwagen könnten Projekte mit Übernachtung ermöglichen und gleichzeitig einfache Künstlerresidenzen für Nachwuchsartist*innen schaffen. Ein Werkstattwagen würde Raum bieten, um gemeinsam Requisiten zu bauen. Ein Schneidereiwagen mit Nähmaschinen könnte die Kostümgestaltung direkt vor Ort ermöglichen. Und ein großer Caféwagen mit Oberlicht könnte zu einem offenen Treffpunkt für Kinder, Familien und die Nachbarschaft werden.
Es ist kein endgültiger Masterplan, sondern eine Vision, die nach und nach Wirklichkeit werden kann. Ein lebendiger Ort für alle, die Zirkus ganzheitlich erleben möchten.
Wer mehr über den Kinder- und Jugendzirkus Dobbelino erfahren möchte, findet weitere Infos auf der Website des Zirkus. Wenn du selbst ein mobiles Projekt planst, zum Beispiel mit einem Bauwagen oder Gartenwagen, lohnt sich ein Blick auf Alltagstauglichkeit und echte Bedürfnisse: WEIRO berät dich gern, damit dein Projekt Schritt für Schritt Realität wird.